…statt übereinander. Und ich bitte Sie, das auch zu tun!“

Diesen Satz unseres Kaplans fand ich sehr mutig, denn er zeigt, er weiß, dass er Dinge anders tut, dass er anders ist, dass aber auch nur im Gespräch miteinander, er sich erklären kann, beziehungsweise er auch lernen kann, wie es in unserer Gemeinde so zugeht – das dann eventuell annimmt oder auch weiterhin anders machen will.

Und diese Gespräche, die ich nun mit ihm führe, sind für die Annäherung an unsere Gemeinde gut. Manche Dinge fallen mir auf, die sich bei mir so eingeschlichen haben, die auch von mir aus tatsächlich verbesserungswürdig sind, manche Dinge sind grundsätzlich nachdenkenswert, manche sind ganz klar unsere Eigenart, die wir nicht aufgeben müssen oder gar wollen – gerade im gottesdienstlichen Bereich. Und gerade hier zeigt sich eben das Anderssein unseres Kaplans, anders als wir es gewohnt sind, anders als es vielleicht sogar in unserem Bereich üblich ist: Bayern ist nicht der Niederrhein.

Doch kann uns dieses „Anderssein“ nicht auch mal zum Nachdenken bringen, ist dieses „Anderssein“ nicht auch eine Bereicherung? Denken wir an die verschiedenen Pastöre, die allein in den fast zwanzig Jahren hier mitgeholfen haben: Pastor Paus, Pastor Arogya, Pastor Schäfer, Pastor Hoffacker, Pastor Linsen, die ganzen Pastöre, Patres und Pfarrer aus der Nachbarschaft – alle sind anders, zelebrieren anders, sind für manche unerträglich, sind für manche die Erfüllung. Dadurch aber, dass es hier in St. Martinus eine Konstante gibt, nämlich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort, können wir uns am Anderssein der Anderen erfreuen oder sie auch ertragen, da auch die „Leute vor Ort“ in ihrem „Anderssein“ mit allem, was dazugehört, verlässliche Partner sind, die für die Gemeinde da sind. Und da ist keiner von all den aufgezählten Menschen unerträglich (gewesen), denn in der Vielfalt der „Auftritte“ kann jeder sich den oder die heraussuchen, die er lieber mag oder nicht. Im Ganzen aber hat hier jeder seine Chance verdient.

Doch in diesem Zusammenhang sind mir einige Gedanken gekommen, die ich auch hier nicht zurückhalten will: Wie gehen wir als Christen mit dem Anderssein anderer um? Und was geschieht mit einem Menschen, der mehr oder weniger in der Öffentlichkeit steht, der sich verändern will und dann nicht mehr in das Schema passt? Negativmöglichkeiten:

-       Weil dessen Nase mir nicht passt, gehe ich nicht mehr hin!

-       Weil der nicht predigen kann, spare ich mir das Ganze!

-       Weil der nicht so tut, wie ich das will, strafe ich ihn mit Verachtung!

Es macht mich betroffen und traurig, dass es auch solche Tendenzen bei uns feststellen muss (und nicht erst heute) und es taucht bei mir die Frage auf: Wenn ich jetzt noch gut gelitten bin mit all den Macken, die ich habe, wie würden mich die Menschen in unseren Dörfern behandeln, wenn diese Macken noch mehr werden und ich mich aufgrund dessen verändere, anders werde, nicht mehr dem Bild entspreche, den die Leute von mir haben? Es kann sich genauso ergeben, wenn ich Einsichten, die ich habe, umsetze, und dann nicht mehr in das Bild von der Dienstleistungskirche passe:

Was würde geschehen, wenn ich zum Beispiel die Erstkommunion so weit verändere, dass der ganze Kitsch wegfiele und die eigentliche Feier wieder zum Vorschein kommt, nämlich die Gemeinschaft mit Gott.

Was würde geschehen, wenn ich dem nachgeben würde, das Weihnachtsfest nur mehr noch zu der eigentlich vorgeschriebenen Zeit feierte, nämlich um Mitternacht 24./25. Dezember und sonst nur mehr schlichte Hochämter ohne Kinderkrippenfeiern und so?

Was würde passieren, wenn ich Hochzeiten, Taufen und alle anderen sogenannte Familienfeiern immer nur im Sonntagsgottesdienst feiern würde, wo sie hingehörten, da jedes Sakrament auch Gemeinde„sache“ ist, und sie daran teilnehmen soll?

Was würde sein, wenn…...

Ich könnte unendlich so weitermachen, um deutlich zu machen: Wenn etwas nicht mehr so ist, wie gewohnt, wenn sich Jemand verändert, wenn das Gewohnte anders wird – was passiert dann? Mit welcher Engherzigkeit begegnen sich die Menschen dann, wie hartherzig kann dann der Umgang miteinander werden, ohne dass dem anderen eine Chance eingeräumt wird, ohne dass der Neuerung Akzeptanz entgegen kommt?

„Wir müssen miteinander reden, statt übereinander. Und ich bitte Sie, das auch zu tun!“ Viele Gedanken keimen bei mir auf, wenn ich diesen Satz unseres Kaplans höre, und ich schließe mich dem an: Ich bitte alle in der Auseinandersetzung mit dem Andersseins und des Anderswerdens meines Nächstens miteinander zu reden, anstatt eigenartig unbesprochene Konsequenzen zu ziehen

Danke

Norbert Derrix, Pastor

In Kürze anstehende Termine: