Liebe Schwestern und Brüder,

in der vergangen Woche waren die deutschen Bischöfe beim sogenannten ad limina Besuch in Rom.

Alle Jubeljahre müssen sie dorthin, um dem Papst zu berichten, allerdings auch, um die neuesten Entwicklungen in Rom und der Kurie zu erfahren.

Bei diesen Besuchen übergibt der Heilige Vater traditionell dann eine Rede, die nie gehalten wird, in der er aber seine Sicht auf die Ortskirche beschreibt, deren Bischöfe ihn da besuchen.

Also waren auch unsere zu diesem Besuch:

Der Papst lobte die Deutsche Kirche ihrer Hilfsbereitschaft wegen gerade gegenüber der Flüchtlingssituation, aber auch gegenüber hilfesuchenden und notleidenden Menschen weltweit.

Doch gerade im Blick auf die einzelnen Ortskirchen, den Bistümern und den Gemeinden in Deutschland wurde der Papst kritisch:

Unsere deutsche Kirche hat sich verweltlicht, wie er sagt.

Das heißt: die Strukturen der Welt, der Wirtschaft und des Business haben wir auf die Kirche übertragen. Das viele Geld, das sich innerhalb der Bistümer angehäuft hat, wird dazu genutzt, mit viel Beschäftigungsaufwand eine vermeintlich „katholische“ Welt aufrecht zu erhalten, die es so nicht mehr gibt.

Im Rückblick auf das letzte Jahrhundert wollen die Bischöfe und ihre Verwaltungsapparate wiederbeleben oder erhalten, was aus der „guten alten Zeit“ noch in den Köpfen der einzelnen herumgeistert.

Da werden Pastoralpläne entwickelt, aber

ZITAT: „Pastoralpläne, die den geweihten Priestern nicht die gebührende Bedeutung in ihrem Dienst des Leitens, Lehrens und Heiligens im Zusammenhang mit dem Aufbau der Kirche und dem sakramentalen Leben beimessen, sind der Erfahrung nach zum Scheitern verurteilt.“

Zitat Ende.

Will sagen, dass auch wenn wir uns es leisten können, sogenannt hauptamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger anzustellen, und der Dienst der Gemeindemitglieder an der Gemeinde und ihrem Leben hochangesiedelt ist,

so muss doch die Sakramentalität der Kirche, die durch den Dienst der Priester garantiert wird, in erster Linie stehen.

Kirche soll auch hier nicht nur ein Dienstleistungsunternehmen weltlicher Art sein, in dem der Priester und die Gremien mit den angestellten Seelsorgern für die Versorgung der Gemeinde werden im Gottesdienstbereich, aber auch im Sozialen, sprich unter anderem Kindergärten, Kranken- und Altenversorgung.

Nochmal: Eine Kirche, eine Gemeinde, die nur rückwärtsgewandt traditionalistisch aufrecht erhalten will, was gar nicht mehr da ist, nämlich GLAUBENsgemeinschaft,

eine Kirche, eine Gemeinde, deren Mitglieder nur mehr noch in die Kirche kommen, damit die Feier egal welcher Art einen schönen Rahmen hat,

eine Kirche, eine Gemeinde, die ihren Priester nur mehr noch als Dienstleister für die gelungene Feier, als Moderator des Seelsorgeteams, als Organisator für soziale Fragen sieht, und nicht mehr als sakramentaler Vermittler zwischen Gott und Gemeinde gerade in seiner Funktion des Sakramentenspenders der Eucharistie und der Beichte

eine solche Kirche, eine solche Gemeinde kommt ihrem Auftrag nicht nach,

missionarisch die Botschaft des Glaubens zu verbreiten,

sondern versteckt sich mit viel Geld hinter den Strukturen, die längst überholt sind und das Glaubensleben eher verhindern als verbreiten,

weil sie den Eindruck für den normalen Gläubigen vermitteln:

Die so bestellten Spezialisten innerhalb der Verwaltung, die bezahlten Seelsorgerinnen und Seelsorger, die Dienstleistungspriester werden schon dafür sorgen, dass Kirche nicht untergeht.

Und DAS ist Verweltlichung, wie sie der Papst in unserer Kirche, auch in unserer Gemeinde beklagt:

ZITAT: „Es herrscht eine gewisse Weltlichkeit vor. Die Weltlichkeit verformt die Seelen, sie erstickt das Bewusstsein für die Wirklichkeit. Ein verweltlichter Mensch lebt in einer Welt, die er selbst geschaffen hat. Er umgibt sich gleichsam mit abgedunkelten Scheiben, um nicht nach außen zu sehen. Es ist schwer, solche Menschen zu erreichen. Auf der anderen Seite sagt uns unser Glaube, dass Gott der immer zuerst Handelnde ist. Diese Gewissheit führt uns zunächst ins Gebet. Wir beten für alle Männer und Frauen in unserer Stadt, in unserer Diözese, und wir beten auch für uns selbst, dass Gott einen Lichtstrahl seiner Liebe schicke und durch die abgedunkelten Scheiben hindurch die Herzen anrühre, damit sie seine Botschaft verstehen. Wir müssen bei den Menschen sein mit der Glut derer, die als erste das Evangelium in sich aufgenommen haben. Und „jedes Mal, wenn wir versuchen, zur Quelle zurückzukehren und die ursprüngliche Frische des Evangeliums wiederzugewinnen, tauchen neue Wege, kreative Methoden, andere Ausdrucksformen, aussagekräftigere Zeichen und Worte reich an neuer Bedeutung für die Welt von heute auf. In der Tat, jedes echte missionarische Handeln ist immer 'neu'". Auf diese Weise können sich alternative Wege und Formen von Katechese ergeben, die den jungen Menschen und den Familien helfen, den allgemeinen Glauben der Kirche authentisch und froh wiederzuentdecken.““

Zitat Ende.

Diese Worte gingen an die Bischöfe,

sie gehen aber auch und erst recht auch an uns, die wir uns in kirchlichen Vereinen, Bruderschaften und Verbänden beheimatet fühlen – gerade am heutigen Christkönigssonntag, der ja in früheren Zeiten gerade gegen das totalitäre Regime der NS Diktatur eben in und durch diese Verbände, Bruderschaften und Vereine neue Kraft gab:

Zuerst und vor allem steht das Gebet. Bevor wir irgendetwas tun wollen, sollen wir Gott um Seine Gemeinschaft und Sein Erbarmen bitte, dass Er uns das Richtige zeigt und das Gute zu tun aufträgt.

Ohne Gebet, keine Kreativität, die aus dem Glauben gespeist wird,

ohne Gebet nur Aktionismus und Aktivismus, der nur Gewinn und Ertrag im Hinterkopf hat,

ohne Gebet Verweltlichung unserer Vereine und Bruderschaften, aber erst recht unseres Dorfes, unserer Familien, jedes Einzelnen,

ohne Gebet, sprich ohne Anbindung meines, unseres Lebens an Gott,

ohne die Rückbesinnung, dass wir nur aus göttlichem Willen leben und Leben bestehen können,

bringt Zerfasern und Verachtung der Würde menschlichen Lebens hin zu lebendem Material, das zu gebrauchen, dem Krieg oder der Armut auszuliefern und damit wegzuwerfen durch die geschäftlichen (meist bayrischen) Machthabern angefangen in der Politik über die Wirtschaft bis hin zu jedem einzelnen hier vor Ort.

Ohne Gebet kein Leben,

denn ohne Rückbindung an Gott – gebunden sein an wirtschaftliche, machtbesessene, anerkennungsheischende Interessen meiner selbst.

Ohne Gebet keine Freiheit,

denn ohne die außerweltliche Basis der Gottesgemeinschaft in und mit mir – hilflose Suche nach einer unvergänglichen Grundlage für mein Leben, die die Welt nicht geben kann.

Ohne Gebet keine Liebe,

denn ohne das Bewusstsein der Liebe Gottes für uns in meinem Leben – keinen Grund mich wirklich zu engagieren für die Menschen und was sie allein brauchen.

Doch die Früchte des Gebets: Leben in der Freiheit der Liebe, können nur erwachsen indem ich es tu: beten.

Die Erfahrung Gottes und Seines Wirkens in dieser Welt kann ich nur begreifen, indem ich mich darauf besinne: im Lesen der Schrift.

Die Gemeinschaft und Stärke Gottes für mein Leben und all derjenigen, die an Ihn glauben wollen, kann ich nur erfahren, wenn ich mich darauf einlasse: im Gottesdienst und dort und ganz wichtig: Im Empfang der Sakramente.

Drunter geht´s nicht,

weniger bringt´s nicht!

Nur wer sich darauf einlässt, wird bestehen,

nur wenn wir uns als Gemeinde das an uns geschehen lassen, werden wir glaubhaft,

nur wenn wir nicht an dem Alten hängenbleiben, sind wir Apostel Jesu:

nicht meckern darüber, dass keiner mehr kommt – Gottes Wege suchen und sie uns selbst und anderen öffnen!

Nicht auf die alten Zeiten schielen – neue Zeiten durch liebevolles Handeln anbrechen lassen.

Nicht verwickeln lassen in der Dienstleistung und dem äußeren Schein – Engagement entwickeln in der Verkündigung des Wortes Gottes durch Gebet und Handeln.

Aufbruch ist das Jahr der Barmherzigkeit, das beginnt – auch für uns hier!

Der Papst hat´s den Bischöfen so gesagt,

ich hab´s Ihnen interpretiert so weitergegeben – vielleicht hat dieser ad limina Besuch irgendetwas gebracht? Gott weiß´.